Unsere Margot ist im wahrsten Sinne unser singendes „Glanzstückchen“. Wenn sie auf der Bühne erscheint glitzert und funkelt es wie im weihnachtlichen Sternschnuppenhagel. Pailletten-Hut, Smaragd-Ringe, Gold-Ketten, mit Brillanten besetzte Brillen, handgeklöppelte Bergkristall-Unterwäsche und, und, und. Mittlerweile fährt ihr einfamilienhausgroßer Bekleidungs-Tourkoffer auch nicht mehr im Band-LKW sondern in einem umgebauten Hochsicherheits-Geldtransporter mit Polizei-Escorte. Fragt nicht was das alles kostet, aber egal – für unsere Margot tun wir alles. Denn neben ihren spektakulären Show-Outfits (die wir übrigens im wöchentlichen Männer-Nähkreis selbst geschneidert haben) weiss sie auch mit Ihrer gewaltigen Stimme zu begeistern. Mal sanfte Töne von den „Adele“, mal rockige Songs von „Tina Turner“ oder „Lady Gaga“, ihre Stimmbänder schwingen immer auf der Wellenlänge unseres Publikums. Und wenn wir uns mal versehentlich an ihren Lieblingskeksen vergreifen, dann kann sie auch ziemlich laut werden, klingt dann aber irgendwie ähhh…, na ja… „anders“.

Exakt in der Millisekunde, in der Daniel unserem sagenumwobenen Musikverein beigetreten ist, musste das Wort „Rampensau“ auf Wikipedia neu definiert werden, denn das was unser „Youngstar“ jeden Abend so abzieht, stellt auch Nacht‘s noch alles andere in den Schatten. Abgesehen davon, dass selbst eine Stadion-Bühne für seinen Bewegungsdrang zu klein ist, zwitschert sein Goldkehlchen glasklar in den höchsten Tönen bis zum dreigestrichenen, schräg angefeilten und glattpolierten Zeh – äh… „C“. Balladen klingen bei ihm wie ein vierstöckiges Clubsandwich mit Honig, Nutella, Marmelade und Erdnussbutter und wenn’s rockig wird fräsen seine Stimmbänder eine Gletscherspalte in den Bühnenboden, dass uns fast die Amalgamfüllungen aus dem Unterkiefer fallen. Und weil beim Tanzen und Singen die Hände ja noch ohne Aufgabe sind, spielt unser Tausendsassa nebenbei eine ultrahotte Gitarre und ein „g’schmeidiges“ Keyboard. Gib’s noch was Wissenswertes? Ach ja… Auch die Sammelbestellung der Musiker-Getränke haben wir mittlerweile vertrauensvoll in Daniel’s Hände gelegt denn beim Blick in seine strahlend blauen Augen vergisst fast jede Bedienung zu Kassieren…

Der bass’t! Landläufig denkt man ja: Ein typischer Bassist steht stabil und seelenruhig in einem halbdunklen Eck der Bühne, konzentriert sich auf den Wechselbass „E-A-E-A“ und tritt nur mit erhobenem Zeigefinger ins Rampenlicht, wenn es um die gerechte Verteilung der Getränkemarken geht. Genauso dachten wir früher auch! Und deshalb waren wir einigermassen irritiert darüber, dass sich unser Bobby für die Gattung der „dicksaitgen Tieftöner“ doch ziemlich untypisch verhält! Ist die Bassisten-Fassade vielleicht nur eine geschickte Tarnung für einen brandheissen Rampensau-Musiker? Noch vor Show-Start zieht er mit seinem smarten Lächeln die Mädels der ersten Reihen in seinen Bann, tänzelt leichtfüssig wie eine Gazelle durch einen Parcours aus Mikrofonständern während er groovige Bassriffs zupft und sieht dann sogar nach 5 Stunden Halligalli-Vollgasparty noch gnadenlos entspannt und gut frisiert aus. Also irgendwas stimmt mit dem Typ nicht, wie macht der das nur? Wir sind mit unserem Latein am Ende und hoffen auf Eure Hilfe! Kommt vorbei, überzeugt Euch selbst und enttarnt die explosive Mischung aus Vollblutmusiker, Komiker und Frauenschwarm mit der dieser Betrüger unter dem fadenscheinigen Vorwand „Bassist“ unser Publikum jeden Abend erneut auf die Partypalme bringt.

Als sich unser Robby bei den Mercuries vorgestellt hat müssen wir irgendwas auf den Ohren gehabt haben. Wir sind fest überzeugt: Er hat beim ersten Besuch im Proberaum klar und deutlich gesagt: „Ich bin Psychopath!“ und wir waren uns alle schlagartig einig: Das ist unser Mann! Und was müssen wir dann beim ersten, gemeinsamen Auftritt erfahren? Der ist gar kein Psychopath sondern Osteopath! Muss wohl an seinem schwer verständlichen, schwäbischen Dialekt gelegen haben… Aber egal, er hat sich als echter Glücksgriff entpuppt und kann alles zu neuem Leben erwecken was aus medizinischer Sicht höchst bedenklich  und hoffnungslos erscheint. Und während er live vor grölendem Publikum eine Not-OP durchführt, spielt er ganz entspannt mit der linken Hand schräge Akkorde auf dem Keyboard, rechts ein bisserl fräsende Gitarre, singt irgendwas von „Dschoana“ und tänzelt auf Highheels im ultrakurzen Krankenschwestern-Kostüm über die Bühne. Wir haben also richtig gehört: Der Typ ist doch Psychopath! Zum Glück…

Es ist schon eine Weile her, als unser neuer Mann an den 6 Stahlsaiten meinte: „Einen Text für die Band-Homepage? Klar mach ich das, kein Problem, ich spiel nur noch schnell mein Solo fertig“. Und da dachten wir: Super, das kann ja nicht so lange dauern. Als wir Gery eine Woche später ziemlich durchgeschwitzt im Proberaum vorfanden, meinte er in kurzen Wortfetzen und gefangen zwischen einem 5/6-Groove und einem 12/8-Lick: „Ich spiel nur noch kurz das Solo fertig, dann schreib ich gleich was“. 4 Wochen später rief uns dann der Hausmeister unseres Probengebäudes an und meinte: Da steht so ein neuer, bärtiger Typ im Übungsraum und spielt Tag und Nacht irgendwelche lauten, verzerrten Sachen und außerdem würde der Stromzähler bereits heiß laufen. Und als wir Gery gestern endlich kurz mal am Telefon erreichen konnten (er muß wohl in dieser Sekunde gerade einhändig gespielt haben…) war sein festes Versprechen: „Ich spiel nur noch dieses eine, kleine Solo fertig, dann…“ – Bisher haben wir ihn nicht mehr gesehen, denn die Tür zu unserem Proberaum wurde von innen mit Verstärkern verbarrikadiert. Wir sind echt ratlos… Deshalb die ernstgemeinte Frage an Euch: Wie genau ist die rechtlich zugelassene Länge eines „Gitarren-Solos“ definiert, welche Strafe bekommt der Gitarrero wenn er mutwillig überzieht und wie kommen wir in diesem Jahrhundert noch in unseren Proberaum?

Dieser langhaarige, verwegene Hobbytrommler bekommt jeden Abend schweineviel Geld für doofes „Rumsitzen“ auf einem gut und weich gepolsterten, südaustralischen Langhaarschafsleder-Schlagzeughockersitzbezug – unser Reini. Er glaubt wirklich er ist hier im Urlaub denn bei den Mercuries bekommt er das, was er bisher nie hatte. Warmes Essen, saubere Bandklamotten, Getränke die vorher noch keiner angenippt hat (meistens jedenfalls) und manchmal sogar richtiges Tageslicht, wenn’s nach dem Auftritt schon wieder mal hell wird. Ansonsten ist er sehr genügsam, schmutzt nur wenig und ist leicht zu pflegen. Gibt man ihm 2 Holzleisten in die Hand trommelt er stundenlang, mal mehr, mal weniger rütmisch (oder wie schreibt man das…?) auf allem rum was irgendwie (aber meist nicht lange) Töne von sich gibt: Auf Gery’s Lesebrille, Daniel’s Wisch-Handy, Bobby“s Nichtraucher-Zigaretten oder auf dem Käsekuchen, den die Roadies eigentlich mit nach Hause nehmen wollten. Er nervt also (fast) gar nicht und laut eigener Aussage wäre er bei den Mercuries schon vor 40 Jahren eingestiegen, wenn er früher gewusst hätte, was da auf ihn zukommt. Sollen wir das jetzt als Drohung verstehen…?

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